Videogespräch: Ärzte wünschen mehr Planungssicherheit

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Der Koblenzer CDU-Bundestagsabgeordnete Josef Oster wurde in dem von ihm initiierten Videogespräch mit niedergelassenen Ärzten zum Thema Corona für sein „offenes Ohr“ für deren Belange von den Medizinern gelobt. „Ich danke Ihnen, dass unsere Stimme gehört wird“, sagte Dr. Susanne Schmelz.

Sie und ihre Kollegen aus der Region vermittelten Josef Oster einen Einblick in das schwierige Tagesgeschäft der Ärzte. Oster, der freiumwunden zugab, dass auch er klare und immer nachvollziehbare Strategien im Kampf  gegen die Pandemie bisweilen vermisse, versprach, dass er die Kritikpunkte der Ärzte den entsprechenden Fachkollegen weitergibt.

Enorme Belastungen

Die Arbeit in den Praxen wurde – dies wurde sehr deutlich – nicht nur vom Umfang her mehr, sie wurde auch komplizierter. Dr. Susanne Schmelz, Leiterin einer Corona-Schwerpunkt-Praxis in Koblenz, gab sehr anschaulich einen Einblick in die Arbeit und die enormen Belastungen, die sie und ihr 50-köpfiges Team Tag für Tag bewältigen. „Wir impfen wöchentlich rund 1000 Patienten“, so Schmelz. Das Impfen, die Testungen der Mitarbeiter und die Betreuung von Corona-Patienten in der Praxis und deren Zuhause sei sehr intensiv und fordernd, so Dr. Susanne Schmelz. Ein großes Problem, das offenkundig nahezu alle Ärzte haben, die in ihren Praxen die Impfkampagne beeindruckend vorantreiben, ist, dass die Impfstofflieferungen unzuverlässig sind. „Wir koordinieren Termine, laden die Patienten in die Praxis ein. Doch dann müssen wir oft kurzfristig die Patienten ausladen und vertrösten. Das sorgt für Unzufriedenheit und Vertrauensverlust gegenüber Ärzten und Politik“, sagte Dr. Susanne Schmelz.

Eine Kritik, der im Videogespräch ihre Kollegen beipflichteten. Auch wenn in kleineren Praxen deutlich weniger als bei Dr. Susanne Schmelz geimpft wird: Die Probleme sind die gleichen. „Die Corona-Impfungen sind unser täglich Brot, aber leider auch sehr frustrierend“, sagte Dr. Jürgen Oden. Der Allgemeinmediziner aus Kettig bemängelte Schwierigkeiten durch die großen „Impfportionen“ für jeweils 20 Impfungen. Dadurch habe man in einer kleineren Praxis sehr viel Arbeit mit Terminvereinbarungen und Terminabsagen. Dr. Jürgen Isenberg aus Mülheim-Kärlich kritisierte ebenfalls die unzuverlässigen Lieferungen von Impfdosen, die einer notwenigen guten Planung im Weg stehen.

Ein anderes Thema, dass den Ärzten den Alltag erschwert, ist das Testen. Hier erwarten die Mediziner klare und sinnvolle Entscheidungen von der Politik. Über das arbeitsaufwendige Testen von Mitarbeitern hinaus stellen sich weitere Fragen, die exemplarisch der Neuwieder Kinderarzt Dr. Michael Zschommler erwähnte. „Ich impfe Fünf- bis Elfjährige. Die kommen aber natürlich nicht alleine in die Praxis, sondern in Begleitung ihrer Eltern“, so Dr. Zschommler. „Hinzu kommt, dass die zeitintensive Aufklärungsarbeit nicht entlohnt wird.“

Interessant, dass sich die Ärzte in der Videoveranstaltung von Josef Oster für eine allgemeine Impfpflicht aussprachen. „Die große Mehrheit meiner Patienten ist bereit, sich impfen zu lassen“, so Dr. Isenberg. „Eine Impfpflicht würde mit Sicherheit vieles einfacher machen.“ Dr. Jens Dommermuth aus Koblenz und seine Kollegin Dr. Susanne Schmelz stimmten dem uneingeschränkt zu.

Das Fazit von Josef Oster war jedenfalls eindeutig. „Die Politik muss bei allen Entscheidungen noch stärker berücksichtigen, ob sie sinnvoll und vor allem praxistauglich sind. Es kann nicht sein, dass die Ärzte unsere Fehler ausbaden müssen.“

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